
Wirtschaft, Gesundheit, europäische Außenpolitik – bei zahlreichen politischen Themen wurde klar, dass Ungarn und Bayern wieder wichtige europäische Partner füreinander werden. Mit einem Besuch in der Hauptstadt Budapest und vielen Gesprächen mit Politikerinnen und Politikern sowie Vertretern der Zivilgesellschaft haben der CSU-Fraktionsvorsitzende Klaus Holetschek und der Parlamentarische Geschäftsführer Michael Hofmann die nachbarschaftliche Zusammenarbeit vertieft. Zwei Schwerpunkte bildeten dabei das Gespräch mit Zoltán Tarr, Minister für soziale Beziehungen und Kultur, zu aktuellen kulturpolitischen Initiativen der Tisza-Regierung sowie der Austausch zwischen den beiden Fraktionsvorsitzenden: Klaus Holetschek traf Andrea Bújdosó, Vorsitzende der Tisza-Fraktion im ungarischen Parlament, zum Gespräch über die Reformagenda der Regierungsfraktion.
CSU-Fraktionsvorsitzender Klaus Holetschek betont:
„Die neue ungarische Regierung unter Ministerpräsident Péter Magyar steht vor großen Herausforderungen bei Rechtsstaatlichkeit, Haushalt und Bildung. Im Gespräch mit der Fraktionsvorsitzenden Andrea Bújdosó haben wir diese Reformagenda konkret beleuchtet – von Rechtsstaats- und Justizmaßnahmen im Einklang mit EU-Regelungen über die berufliche Bildung bis hin zu den haushaltspolitischen Weichenstellungen. Wir wollen diese Reformagenda konstruktiv begleiten und die bayerisch-ungarischen Beziehungen wieder auf ein tragfähigeres Fundament stellen. Unsere Gespräche in Budapest haben gezeigt: Der Wille zur Zusammenarbeit ist auf beiden Seiten groß. Bayern und Ungarn verbindet nicht nur eine lange gemeinsame Geschichte, sondern auch ein starkes gemeinsames Interesse an einem stabilen, prosperierenden Europa. Aber gutes Reden allein reicht nicht mehr. Es ist Zeit, strategisch zu handeln: Bayern und Ungarn müssen jetzt den Aufbau einer mitteleuropäischen Sicherheitsachse wagen. Wir fordern eine gezielte und strukturierte militärische Zusammenarbeit – mit konkreten gemeinsamen Projekten in der Rüstungszulieferung, bei militärischer KI, Cyberabwehr, Drohnenabwehr, Weltraumsicherheit, militärischer Mobilität entlang der Donau und in der gemeinsamen Forschung mit unseren Universitäten. Das ist keine Aufrüstung um ihrer selbst willen, sondern vorausschauende Verantwortung für unsere Bürgerinnen und Bürger.“
Ein Vorbild kann hierbei die hervorragende bayerisch-ungarische Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich sein. Forscherinnen und Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München sowie das 2019 gegründete Center for Molecular Fingerprinting kooperieren in der Präventionsmedizin, Prof. Ferenc Krausz hat das Projekt bereits in der Fraktion vorgestellt. Das gemeinsame Ziel ist, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen und Diabetes nachhaltig zu reduzieren. Die entwickelten und in allen großen Wirtschaftsregionen patentierten Verfahren sowie eine Längsschnittstudie bieten die einzigartige Chance, Deutschland und Ungarn als globale Pioniere der neuen Präventivmedizin zu positionieren.
Ein weiteres zentrales Thema war die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Im Gespräch mit Vorstandsmitgliedern der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer wurden die Perspektiven der bayerisch-ungarischen Wirtschaftsbeziehungen erörtert.
Parlamentarischer Geschäftsführer Michael Hofmann:
„Bayern und Ungarn sind wirtschaftlich eng miteinander verwoben. Das zeigt sich täglich in den Lieferketten, den Investitionen und den Arbeitsplätzen auf beiden Seiten. Der intensive Austausch mit der Wirtschaft hat einmal mehr deutlich gemacht, wie wichtig stabile politische Rahmenbedingungen für den gegenseitigen Wohlstand sind. Die neue ungarische Regierung sendet hier ermutigende Signale. Als CSU-Fraktion wollen wir die parlamentarischen Beziehungen als stabile Brücken stärken und gemeinsam daran arbeiten, die Region im Herzen Europas zukunftsfest zu machen. Dazu gehört auch, Bewährtes endlich mit Leben zu füllen: Die EU-Donauraumstrategie ist seit Jahren weitgehend eingeschlafen – sie wurde nie in vollem Umfang gelebt. Das muss sich ändern. Wir fordern eine entschlossene Wiederbelebung dieser Initiative: als wirtschaftliches Rückgrat, als ökologisches Verantwortungsprojekt und als gelebtes Symbol mitteleuropäischer Zusammenarbeit. Die Donau verbindet zehn Staaten. Dieses Potenzial lassen wir seit Jahren ungenutzt liegen. Das ist nicht länger akzeptabel.“
Auf dem Programm standen außerdem Gespräche mit Außenpolitik-Experten der deutschsprachigen Andrássy-Universität sowie ein Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Minderheit in Ungarn. Die Delegation wurde dabei fachlich von der Hanns-Seidel-Stiftung unterstützt und begleitet.