
Der demografische Wandel stellt die medizinische Versorgung vor wachsende Herausforderungen: Medizinerinnen und Mediziner der Babyboomer-Generation gehen in den Ruhestand, gleichzeitig steigt der Bedarf an medizinischer Versorgung. Bayern hat deshalb bereits eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen – von der Niederlassungsförderung über Programme wie die „Beste Landpartie Allgemeinmedizin“ bis hin zu beschleunigten Anerkennungsverfahren für internationale Fachkräfte (Fast Lane).
Mit einem frisch eingereichten neuen Antragspaket will die Regierungskoalition aus CSU und FREIEN WÄHLERN auf diesen Strukturen aufbauen, erfolgreiche Instrumente gezielt weiterentwickeln und dort nachsteuern, wo weiterer Handlungsbedarf besteht. Im Mittelpunkt stehen fünf Ziele: mehr Ärztinnen und Ärzte gerade für ländliche und schlechter versorgte Regionen gewinnen, vorhandenes Personal besser in die Versorgung bringen, Ärztinnen und Ärzte durch starke Praxisteams entlasten, Bürokratie weiter reduzieren und konkrete Versorgungslücken schließen.
Klaus Holetschek, Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion und Bayerischer Staatsminister für Gesundheit und Pflege a. D.: „Die ambulant-ärztliche Versorgung ist das Rückgrat der medizinischen Versorgung im Gesundheitsland Bayern. Wir haben in den vergangenen Jahren bereits wichtige Weichen gestellt und können auf viele Ärzte bauen, die sich über die Maßen hinaus sehr engagiert um ihre Patienten kümmern – herzlichen Dank dafür. Der demografische Wandel verlangt aber, dass wir erfolgreiche Instrumente konsequent weiterentwickeln, neue Möglichkeiten nutzen und bestehende Hemmnisse aus dem Weg räumen. Wir wollen unser Versorgungssystem rechtzeitig auf die nächste Generation vorbereiten. Mehr Zeit für Medizin, starke Praxisteams und gute Bedingungen für Ärztinnen und Ärzte – darauf setzen wir. Unser Anspruch bleibt: eine hochwertige und wohnortnahe medizinische Versorgung in allen Regionen Bayerns – in der Stadt genauso wie auf dem Land.“
Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, unterstreicht: „Wir brauchen nicht nur zusätzliche Ärztinnen und Ärzte – wir müssen auch die vorhandenen ärztlichen Ressourcen noch besser nutzen, Zugänge in die Versorgung erleichtern und unnötige Bürokratie weiter abbauen. Viele gute Strukturen sind bereits vorhanden. Jetzt geht es darum, sie noch besser miteinander zu verzahnen und an die künftigen Herausforderungen anzupassen. Deshalb wollen wir etwa die Niederlassungsförderung zielgerichtet weiterentwickeln: Förderprogramme der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und des Freistaats sollen in besonders von Versorgungsdefiziten betroffenen Regionen künftig besser kombinierbar sein und stärker am tatsächlichen Versorgungsbedarf ausgerichtet werden. Erfolgreiche Strukturen des Programms ,Beste Landpartie Allgemeinmedizin‘ wollen wir zudem nutzen, um auch die fachärztliche Weiterbildung stärker in der Fläche zu organisieren. Wir müssen zudem die Fähigkeiten und Kompetenzen aller Gesundheitsfachberufe noch besser nutzen. Moderne ambulante Versorgung ist Teamarbeit.“
Susann Enders, gesundheitspolitische Sprecherin der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion und examinierte Krankenschwester: „Pflegekräfte, Physician Assistants, qualifizierte Medizinische Fachangestellte, NäPA, VERAH und weitere Gesundheitsberufe können Ärztinnen und Ärzte bei vielen Aufgaben wirksam entlasten. Dafür brauchen wir klare, rechtssichere Regeln für Delegation und eine Vergütungssystematik, die moderne Teampraxen auch tatsächlich abbildet. Der Arzt bleibt in der Letztverantwortung – muss aber nicht jede Aufgabe selbst übernehmen. So gewinnen wir wertvolle Arztzeit für die Patientinnen und Patienten, die ärztliche Expertise besonders dringend benötigen, und stärken gleichzeitig die Attraktivität der weiteren Gesundheitsfachberufe.“
Das Antragspaket nimmt auch weitere bislang ungenutzte Potenziale in den Blick. So soll untersucht werden, warum trotz des Ärztemangels eine wachsende Zahl von Ärztinnen und Ärzten arbeitslos gemeldet ist, wie diese besser für die Versorgung gewonnen und wie die Zulassungsverfahren für Vertragsärztinnen und -ärzte digitaler und einfacher werden können. Auch besondere Versorgungssituationen nimmt das Paket in den Blick: Die Regierungsfraktionen wollen prüfen lassen, wie die hausärztliche Versorgung von Menschen in Einrichtungen der Eingliederungshilfe weiter gestärkt werden kann.
Übersicht Antragspaket